Das Kunstmuseum Stuttgart gehört seit vielen Jahren zu den prägendsten Kulturadjekten der Stadt. Der gläserne Kubus am Schlossplatz ist zum vertrauten Orientierungspunkt geworden – ein Ort, an dem sich der Alltag der Stadt und die Welt der Kunst begegnen. Doch jetzt beginnt für das Museum eine neue Phase: Stuttgart hat die Modernisierungspläne offiziell bestätigt, und damit ist klar, dass das Haus in den kommenden Jahren umfassend umgestaltet wird. Ziel ist es, das Museum funktional weiterzuentwickeln, räumlich zu erweitern und gestalterisch an die Anforderungen einer zeitgemäß kuratierten Kunstlandschaft anzupassen.
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Mit der Ankündigung setzt die Stadt ein kulturpolitisches Signal. In einer Zeit, in der viele Museen mit Platzmangel, veralteter Infrastruktur oder eingeschränkten Präsentationsmöglichkeiten kämpfen, soll das Kunstmuseum Stuttgart fit für die kommenden Jahrzehnte gemacht werden. Die Modernisierung betrifft dabei sowohl den markanten Baukörper oberhalb des Schlossplatzes als auch die unterirdischen Ausstellungsräume, die tief unter die Königstraße reichen.
Warum der Umbau notwendig wurde
Schon seit einigen Jahren war spürbar, dass das Museum an Kapazitätsgrenzen stößt. Die Ausstellungsflächen waren oft ausgelastet, Sonderausstellungen mussten räumlich eingeschränkt geplant werden, und auch die Wegeführung entsprach nicht mehr ganz den heutigen Erwartungen an Barrierefreiheit und Besuchendenkomfort.
Mehrere Aspekte hatten die Debatte zuletzt verstärkt:
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Anstieg der Besucherzahlen: Besonders große Sonderausstellungen führten regelmäßig zu Engpässen in den Zugangsbereichen.
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Erhöhte klimatische Anforderungen: Moderne Kunstpräsentation verlangt komplexe Klimatisierungs- und Beleuchtungssysteme, die im bestehenden Zustand nur begrenzt umsetzbar waren.
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Digitalisierung: Der Wunsch, digitale Vermittlungsformate stärker in den Museumsalltag zu integrieren, stellte neue Anforderungen an die Infrastruktur.
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Erweiterte Sammlungsschwerpunkte: Das Museum besitzt mittlerweile deutlich mehr Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, als bisher sinnvoll gezeigt werden konnte.
Die Modernisierung soll diese Herausforderungen systematisch adressieren und dem Museum Spielraum für neue kuratorische Konzepte geben.
Der Kern der Umbaupläne
Die nun bestätigte Planung besteht aus mehreren Bausteinen, die ineinandergreifen. Der Umbau soll nach und nach erfolgen, um das Museum – soweit es möglich ist – während der meisten Bauphasen geöffnet zu halten.
1. Erweiterung der Ausstellungsflächen
Ein zentrales Ziel ist die Schaffung zusätzlicher Ausstellungsräume. Überlegt wird, einzelne Bereiche der unterirdischen Ebenen neu zu strukturieren, um größere, flexiblere Räume zu schaffen. Das ermöglicht großformatige Installationen und Wechselausstellungen, die bisher aus Platzgründen kaum realisierbar waren.
2. Optimierung der Wegeführung
Der Zugang über den gläsernen Kubus bleibt bestehen, doch mehrere Übergänge sollen breiter, klarer und barrierefreier gestaltet werden. Besonders wichtig ist die neu konzipierte Verbindung zwischen Erdgeschoss, Untergeschossen und Museumsshop, damit der Besuchsfluss harmonischer wird.
3. Neue Technik für Klimatisierung und Beleuchtung
Moderne Kunstwerke reagieren oft empfindlich auf Temperatur- und Lichtschwankungen. Daher erhält das Museum ein neues Klimasystem, das sowohl energieeffizient als auch materialschonend arbeitet. Auch die Beleuchtung wird komplett erneuert: Mit flexibel steuerbaren LED-Systemen können kuratorische Teams nun feinere Akzente setzen.
4. Mehr Raum für Vermittlung und Workshops
Da Vermittlungsprogramme in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind, sollen neue Räume für Workshops, Schülergruppen und Veranstaltungen geschaffen werden. Dies folgt einem klaren kulturpädagogischen Leitgedanken: Das Museum soll ein öffentlicher Ort sein, an dem Menschen aktiv mit Kunst in Kontakt treten – nicht nur passiv.
5. Einbindung digitaler Formate
Digitales Storytelling, virtuelle Rundgänge, interaktive Touchpoints und mobile Angebote sollen künftig viel stärker ins Museumskonzept eingebunden werden. Dafür wird die technische Infrastruktur grundlegend angepasst: besseres WLAN, neue Serverkapazitäten und medienfähige Wände gehören ebenfalls zum Umbau.