Der Nationalpark Harz, bekannt für seine dichten Wälder, tiefen Täler und unberührten Landschaften, erlebt in diesem Jahr einen besonderen Naturhöhepunkt: Die Anzahl der Luchs-Sichtungen erreicht einen historischen Rekord. Försterinnen und Förster sowie Rangerinnen und Ranger berichten von deutlich mehr Begegnungen mit den scheuen Großkatzen als je zuvor. Die Zahlen unterstreichen nicht nur die erfolgreiche Wiederansiedlung der Tiere, sondern auch die gesunde Entwicklung des Ökosystems im Harz.
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Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) galt in Deutschland lange als ausgestorben, ehe erste Wiederansiedlungsprojekte in den 1990er-Jahren starteten. Seitdem haben sich stabile Populationen in ausgewählten Regionen etabliert, wobei der Harz eines der wichtigsten Schutzgebiete darstellt. Die Tiere sind nacht- und dämmerungsaktiv, extrem scheu und daher nur selten direkt zu beobachten. Umso bemerkenswerter ist die aktuelle Zunahme an dokumentierten Sichtungen.
Zahlen und Fakten
Nach Angaben des Nationalparks Harz wurden in diesem Jahr bislang über 320 bestätigte Luchsbeobachtungen registriert – ein Zuwachs von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Meldungen stammen sowohl von professionellen Wildtierbeobachterinnen und -beobachtern als auch von Touristinnen und Touristen, die ihre Beobachtungen an das Parkmanagement weitergeben.
Ranger Dr. Tobias Meier erklärt: „Die erhöhte Zahl der Sichtungen bedeutet, dass die Luchspopulation wächst und sich in verschiedenen Teilen des Parks etabliert. Wir sehen nicht nur einzelne Tiere, sondern auch wiederholt Hinweise auf Jungtiere. Das spricht für eine erfolgreiche Fortpflanzung und eine stabile Nahrungsgrundlage.“
Erfolgreiche Naturschutzmaßnahmen
Die positive Entwicklung ist Ergebnis jahrzehntelanger Naturschutzarbeit. Maßnahmen wie die Sicherung von Lebensräumen, die Wiederherstellung naturnaher Wälder, die Kontrolle von Wildbeständen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit haben den Luchsen einen geschützten Raum geboten.
Darüber hinaus unterstützt ein umfangreiches Monitoring die Wissenschaft: Kamerafallen, Fotofallen und GPS-Halsbänder helfen, Bewegungsmuster, Populationsdichte und Reviergrößen der Tiere zu dokumentieren. Die Daten zeigen, dass der Luchs zunehmend auch Randbereiche des Nationalparks besiedelt und dabei menschliche Siedlungen meidet.
Ökologische Bedeutung des Luchses
Als Apex-Raubtier spielt der Luchs eine entscheidende Rolle im Ökosystem. Er reguliert den Bestand von Rehen, Wildschweinen und kleineren Säugetieren, was wiederum die Vegetation schützt und das Gleichgewicht der Waldökosysteme stabilisiert. Ein gesunder Luchsbestand ist daher nicht nur ein Indikator für intakte Natur, sondern auch für die Biodiversität insgesamt.
Dr. Meier ergänzt: „Wenn der Luchs erfolgreich ist, profitieren davon auch andere Arten – vom Hasen bis zu verschiedenen Vogelarten. Er ist ein echter Schlüsselindikator für die Gesundheit unserer Wälder.“