Das Schweriner Schloss, eines der markantesten Wahrzeichen Mecklenburg-Vorpommerns und ein Meisterwerk der norddeutschen Architektur, tritt in eine neue Phase seiner Erhaltung: Die Stadtverwaltung und die Stiftung Schloss und Gärten Schwerin haben offiziell ein groß angelegtes Restaurierungsprojekt der Schlossfassaden angekündigt. Ziel ist es, das historische Gebäude nicht nur zu konservieren, sondern seine prachtvolle äußere Erscheinung in altem Glanz erstrahlen zu lassen – und damit Besucherinnen und Besuchern aus ganz Deutschland und darüber hinaus ein beeindruckendes Erlebnis zu bieten.
Das Schloss, oft als „Neuschwanstein des Nordens“ bezeichnet, hat eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich im 10. Jahrhundert als Burg angelegt, wurde es im Lauf der Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgestaltet. Die heutige Gestalt, die zwischen Historismus und romantischen Neorenaissance-Elementen schwankt, entstand überwiegend im 19. Jahrhundert unter der Herrschaft der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. Die Fassade vereint Turmaufbauten, reich verzierte Giebel, Sandsteinornamente und filigrane Skulpturen – ein Gesamtkunstwerk, das steter Pflege bedarf.
Der Zustand der Fassaden
In den vergangenen Jahren hatten Experten wiederholt auf den zunehmenden Sanierungsbedarf hingewiesen. Witterungseinflüsse, Luftverschmutzung und jahrzehntelange Nutzung führten zu Abplatzungen, Rissen im Putz und Schäden an den Sandsteinelementen. Besonders die filigranen Reliefs, die historischen Figuren und Ornamente an den Hauptfassaden, waren von Erosion betroffen.
„Einige Elemente sind bereits instabil und benötigen dringend fachgerechte Restaurierung“, erläutert Dipl.-Restauratorin Julia Meier, die das Projekt leitet. „Es geht nicht nur um die Ästhetik, sondern um die langfristige Sicherung der Bausubstanz. Jede Maßnahme wird dabei mit höchster Präzision durchgeführt, um den historischen Charakter zu bewahren.“
Ziele und Umfang des Projekts
Das Restaurierungsprojekt umfasst sämtliche Haupt- und Nebengebäude des Schlosses sowie die angrenzenden Turmfassaden und die historische Brücke über den Schlossgraben. Geplant sind:
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Reinigung und Konsolidierung der Sandsteinelemente: Mit speziellen Verfahren werden Verschmutzungen entfernt, Risse gefüllt und brüchige Bereiche stabilisiert.
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Rekonstruktion beschädigter Ornamente: Handwerklich versierte Steinmetze stellen fehlende oder stark beschädigte Reliefs nach historischen Vorlagen wieder her.
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Putz- und Farbanstriche: Historisch belegte Farbtöne werden rekonstruiert, sodass die Fassaden ihre ursprüngliche Farbwirkung zurückgewinnen.
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Schutzmaßnahmen gegen zukünftige Witterungsschäden: Neue Beschichtungen und Drainagesysteme sollen verhindern, dass Feuchtigkeit in die Bausubstanz eindringt.
Die Arbeiten sollen voraussichtlich über mehrere Jahre gestreckt werden, um den laufenden Museumsbetrieb und den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen. Besucherinnen und Besucher können dennoch Teile des Schlosses weiterhin besichtigen, wobei zeitweise Gerüste und Baustellenbereiche die Aussicht verändern.